Sensorik-Spielzeug selber machen: 4 Anleitungen und der Sicherheits-Check

Sensorik-Spielzeug selber machen: 4 Anleitungen und der Sicherheits-Check

Der große Vorteil von selbstgebautem Sensorik-Spielzeug ist nicht der Preis, sondern die Kontrolle: Du bestimmst, wie viel Reiz drinsteckt und wie laut es ist. Der große Nachteil steckt genau daneben bei Gekauftem prüft jemand anders, ob nichts abfällt und nichts verschluckt werden kann. Bei Selbstgebautem bist das Du.

Deshalb geht es hier nicht um noch mehr Ideen. Was Sensorik-Spielzeug überhaupt leisten kann und worauf es beim Kauf ankommt, steht in unserem ausführlichen Ratgeber zu Sensorik-Spielzeug für Kinder. Hier geht es um vier konkrete Bauanleitungen und darum, was in der Küche gebaut sicher ist und was nicht.

Vier Anleitungen, Schritt für Schritt

Was Material Zeit Sinnvoll ab
Sensorikbeutel Gefrierbeutel mit Zip, Haargel, Klebeband 5 Min. ca. 1 Jahr, immer mit Begleitung
Sensorikflasche Leere Flasche, Wasser, Öl, Reis 10 Min. ca. 1 Jahr
Fühlmatte / Fühl-Memory Pappe, Stoffreste, Sandpapier, Kleber 30 Min. ca. 3 Jahre
Sensorikbox Flache Kiste, Füllmaterial, Becher 5 Min. ca. 3 Jahre

Die Altersangaben sind eine Einordnung aus der Praxis, keine Norm.

1. Sensorikbeutel. Einen stabilen Zip-Gefrierbeutel zu einem Drittel mit klarem Haargel füllen, wenige Deko-Elemente dazu: Pailletten, etwas Lebensmittelfarbe. Luft herausstreichen, verschließen und den kompletten Rand mit breitem Klebeband einfassen. Das ist kein Schönheitsdetail, sondern die eigentliche Sicherheitsmaßnahme: Der geklebte Rand hält den Beutel auch dann zusammen, wenn ein Kind darauftritt.

2. Sensorikflasche. Eine kleine Plastikflasche zu zwei Dritteln mit Wasser füllen, ein paar Tropfen Lebensmittelfarbe dazu, dann etwas Speiseöl. Schütteln, schauen, wie sich beides wieder trennt das ist der ganze Reiz. Deckel innen mit Heißkleber ausfüllen, zuschrauben, außen mit Klebeband sichern. Variante ohne Wasser: trockener Reis oder Sand, dann wird aus der Fühlflasche eine Klangflasche.

3. Fühlmatte oder Fühl-Memory. Aus dickem Karton acht bis zwölf gleich große Plättchen schneiden, immer zwei davon mit demselben Material bekleben: Filz, Sandpapier, Wachstuch, Kordel, Moosgummi. Trocknen lassen, dann mit geschlossenen Augen die Paare ertasten. Nebeneinander auf einen Stoffstreifen geklebt, wird daraus eine Fühlmatte für Hände oder Füße.

4. Sensorikbox. Eine flache Kiste, ein Kilo trockener Reis, dazu Becher, Löffel und ein Trichter. Ein altes Bettlaken darunter macht das Aufräumen zur Sache von zwei Minuten. Für Abwechslung alle paar Wochen das Füllmaterial tauschen, Sand, Nudeln, Kastanien, Wasser mit Schaum.

Der Sicherheits-Check: der 31,7-Millimeter-Test

Bei gekauftem Spielzeug erledigt das eine Prüfstelle: "ohne die CE-Kennzeichnung darf Spielzeug in Europa nicht gehandelt werden", schreibt das Verbraucherportal Bayern. Was Du in Deiner Küche baust, wird nicht gehandelt die Prüfung übernimmst also Du.

Zum Glück ist der wichtigste Test simpel. Das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz beschreibt ihn so: "Kleinteile sind alle Teile, die in den Prüfzylinder (Ø 31,7 mm) passen." Und weiter: "Spielzeug für Kinder unter 3 Jahren darf keine ablösbaren Kleinteile enthalten." Das Ministerium ergänzt, dass auch "Kinder die 3 Jahre oder älter sind noch Kleinteile verschlucken und dadurch gefährdet sein" können. Die Maße des Zylinders stehen in der Norm DIN EN 71-1, wie das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz erläutert.

Als Behelf zu Hause genügt eine leere Klopapierrolle: Was locker hindurchfällt, gehört bei kleinen Kindern nicht in Reichweite. Das ist grober als der genormte Zylinder aber in die richtige Richtung. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) formuliert für die Kleinsten ergänzend, Spielzeug solle "nicht so klein" sein, "dass es verschluckt oder eingeatmet werden kann" und Perlen oder Knöpfe, "die sich ablösen können", haben nichts daran zu suchen.

Drei Füllungen, die nicht hineingehören

  • Wasserperlen. In jeder Sensorikbox sehen sie verlockend aus und sind doch das größte Risiko dieser Kategorie. Die superabsorbierenden Kügelchen können sich laut Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte "bis auf das 400-fache ihrer ursprünglichen Größe ausdehnen" und "Darmverschlüsse verursachen, die eine Operation erfordern". In der dort referierten Auswertung von 89 Fällen Durchschnittsalter etwa 14 Monate mussten 84 Prozent der Kinder operiert werden.
  • Knopfzellen, also alles, was leuchtet: "Verschluckte Knopfzellen können schwere Vergiftungen hervorrufen", schreibt das BIÖG.
  • Alles Verschluckbare in offener Form. Perlen, Murmeln, rohe Hülsenfrüchte: in einer verklebten Flasche in Ordnung, offen in der Kiste bei kleinen Kindern nicht.

Klangflaschen: Sensorik für die Ohren, mit Maß

Der Sinneskanal, der beim Selberbauen am kürzesten kommt, ist das Hören dabei ist er der einzige, bei dem die Hände frei bleiben. Auch hier gilt aber ein Maß, und zwar ein messbares. Das BIÖG weist darauf hin, dass Dauerschallpegel über 80 bis 85 dB(A) "bei längerer Einwirkung bleibende Gehörschäden hervorrufen" können; Knackfrösche und Spielzeugpistolen direkt am Ohr erreichen demnach 140 beziehungsweise 170 dB(A). Eine Klangflasche mit Reis ist davon weit entfernt eine mit Metallschrauben, direkt am Ohr geschüttelt, deutlich weniger.

Wenn Du beim Hören über die Bastelei hinausdenken willst: Ohrlaf ist eine bildschirmfreie Hörbox, bei der Dein Kind eine Karte auflegt und die Geschichte startet ohne Display, ohne Menü, und sie endet von allein, statt weiterzulaufen.

Fazit

Selbstgemachtes Sensorik-Spielzeug ist schnell gebaut, kostet fast nichts und lässt sich genau auf Dein Kind zuschneiden. Die Zeit, die Du sparst, steckst Du am besten in den Sicherheits-Check: Klebeband großzügig, nichts Verschluckbares offen, keine Wasserperlen, keine Knopfzellen.

Und wenn Dein Kind nach zwei Minuten wieder aufsteht, ist das kein Scheitern der Bastelei. Manchmal ist der Reizspeicher schlicht voll woran Du das erkennst, steht in unserem Beitrag zu Reizüberflutung bei Kindern.

Häufige Fragen

Wie kann ich Sensorikbeutel selbst machen? Einen stabilen Zip-Gefrierbeutel etwa zu einem Drittel mit klarem Haargel füllen, wenige Deko-Elemente und etwas Lebensmittelfarbe dazugeben, die Luft herausstreichen und den Beutel verschließen. Entscheidend ist der letzte Schritt: den kompletten Rand mit breitem Klebeband einfassen, damit der Beutel auch unter Druck dichthält.

Wie kann ich eine Sensorikmatte selbst herstellen? Gleich große Stücke aus dickem Karton schneiden und mit unterschiedlichen Materialien bekleben Filz, Sandpapier, Wachstuch, Kordel, Moosgummi. Anschließend nebeneinander auf einen Stoffstreifen kleben. Nichts verwenden, was sich ablösen und verschlucken lässt; das BIÖG rät bei kleinen Kindern ausdrücklich von aufgeklebten Perlen und Knöpfen ab, "die sich ablösen können".

Welcher Kleber eignet sich für Sensorikflaschen? In der Praxis hat sich Heißkleber im Deckelinneren bewährt, zusätzlich außen ein Ring Klebeband. Wichtiger als die Klebersorte ist die doppelte Sicherung und dass der Kleber vollständig ausgehärtet ist, bevor die Flasche in Kinderhände kommt.

Quellen

Hinweis zur Faktenlage: Alle konkreten Zahlen, Zitate und Grenzwerte in diesem Artikel stammen aus den oben verlinkten Quellen und sind im Text direkt verlinkt. Aussagen ohne Quellenangabe – die Bauanleitungen, die Altersangaben in der Tabelle, der Klopapierrollen-Test und die Klebertipps – sind ausdrücklich als Praxisbeobachtung zu lesen und nicht als geprüfte Empfehlung. Dieser Artikel enthält keine Wirk- oder Heilaussagen. Selbstgebautes Spielzeug unterliegt keiner unabhängigen Sicherheitsprüfung; die Verantwortung dafür liegt bei Dir. Wenn Du den Eindruck hast, dass Dein Kind Sinnesreize dauerhaft schlecht verarbeitet, ist die kinderärztliche Praxis oder eine ergotherapeutische Fachkraft die richtige Adresse.

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