Einschlafgeschichten zum Vorlesen: 5 kurze Geschichten für ruhige Abende

Eine Mutter liest ihrem Kind abends im Bett eine Einschlafgeschichte zum Vorlesen, daneben steht die bildschirmfreie Ohrlaf-Hörbox im warmen Licht der Nachttischlampe.

Manchmal fehlt abends nicht die Zeit, sondern der Text. Das Buch ist ausgelesen, die erfundene Geschichte will nicht kommen, und Dein Kind wartet.

Hier stehen fünf kurze Einschlafgeschichten zum Vorlesen – jede etwa eineinhalb bis zwei Minuten lang, abgeschlossen, ohne offenes Ende. Du kannst sie direkt vom Handy ablesen.

Was diese fünf Geschichten gemeinsam haben

Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) empfiehlt für die letzte halbe Stunde vor dem Einschlafen "ein regelmäßiges Einschlafritual, das Elemente wie Singen, Vorlesen oder Musikhören enthalten kann" – und rät dazu, in der letzten Stunde starke Reize zu vermeiden.

Die Geschichten unten sind eigens für diesen Beitrag geschrieben und folgen alle vier Regeln:

  • kurz – unter 120 Wörtern, damit sie nicht wach halten
  • wenig Personal – eine Figur, höchstens zwei
  • kein Spannungsbogen – nichts wird gelöst, weil nichts offen war
  • ruhiges Schlussbild – am Ende wird es still

Warum das beim Einschlafen mehr bringt als eine besonders schöne Geschichte, steht ausführlich in unserem Ratgeber zu Geschichten zum Einschlafen und dem Abendritual drumherum.

Die fünf Geschichten

Der Igel, der noch einmal zurückging (ab 3)

Der kleine Igel hatte sein Laubbett längst fertig. Trotzdem ging er noch einmal hinaus, weil er nicht mehr sicher war, ob er die Haustür zugezogen hatte.

Die Haustür war ein Blatt. Es lag genau da, wo es liegen sollte. Der Igel schob es trotzdem ein Stück zurecht.

Dann setzte er sich davor und hörte, wie es still wurde. Erst hörte der Wind auf. Dann die Blätter. Dann die Amsel, die jeden Abend als Letzte aufhört.

Der Igel ging zurück in sein Bett. Er hatte alles geprüft. Jetzt konnte er schlafen.

Was der Hund am Abend prüft (ab 3)

Jeden Abend, wenn im Haus das Licht ausging, machte der Hund seine Runde.

Er prüfte die Küche: nichts auf dem Boden. Er prüfte den Flur: alle Schuhe da. Er prüfte die Tür zum Garten: zu. Er prüfte das Kinderzimmer: ein Kind, richtig zugedeckt, atmete langsam.

Der Hund blieb einen Moment stehen und hörte zu.

Dann ging er zu seinem Korb, drehte sich dreimal im Kreis, so wie immer, und legte sich hin. Alles war da, wo es hingehörte.

Danach war das Haus still.

Sieben, die schon schlafen (ab 3)

Sieben schlafen schon.

Der Spatz im Efeu am Zaun, den Kopf im Gefieder. Die Schnecke unter dem Blumentopf, wo es feucht bleibt. Der Fuchs am Waldrand, zusammengerollt wie ein Komma. Die Kuh im Stall, im Stehen, wie Kühe das machen. Der Käfer in der Ritze der Bank. Die Ente auf dem Teich, die im Schlaf ein bisschen weitertreibt.

Und der Bagger auf der Baustelle, der zwar nicht wirklich schläft, aber genau so aussieht.

Sieben schlafen schon.

Fehlt nur noch einer.

Die Nacht, in der die Laternen müde wurden (ab 5)

Die Laternen in der Rosenstraße arbeiteten die ganze Nacht, und keine beschwerte sich. Nur die vorletzte, die vor dem Bäcker, gähnte manchmal. Dann wurde sie für einen Moment dunkler, und wer vorbeiging, dachte: komisch.

In dieser Nacht gähnte sie dreimal. Beim dritten Mal machte die Laterne daneben mit, dann die nächste, und am Ende gähnte die ganze Straße im Takt. Ganz langsam. Hell und dunkel und hell.

Kein Mensch sah es, denn alle schliefen. Nur eine Katze sah es und fand es in Ordnung.

Dann wurde es Morgen, und die Laternen durften aus.

Das Boot, das im Hafen blieb (ab 6)

Das kleine Boot hatte den ganzen Sommer draußen verbracht. Es kannte die Wellen, die von der Seite kamen, und die, die von hinten kamen und schoben.

Jetzt lag es im Hafen, festgemacht an einem Ring aus Eisen. Am Anfang fand das Boot das langweilig.

Dann merkte es, dass man im Hafen Dinge hört, die man draußen nie hört. Das Klopfen der Leinen. Das Knarren des Stegs. Den Regen, der auf die Plane fällt.

Das Boot lernte, dass Stillliegen auch etwas ist, das man können muss. Es lag ganz ruhig und hörte dem Regen zu.

So liest Du sie vor

Drei Punkte aus der Praxis, kein Studienergebnis – sie kosten aber nichts:

Langsamer, als es sich richtig anfühlt. Zu langsam ist hier fast nie ein Problem, zu schnell sofort.

Leiser werden statt aufhören. Sprich die letzten Sätze deutlich leiser – dann entsteht das Ende von selbst.

Pausen an den Absätzen. Die Absätze oben sind bewusst kurz. Jeder Umbruch ist eine Stelle, an der Du zwei Sekunden nichts sagen kannst.

Wenn Dir mal die Stimme fehlt

Es gibt Abende, an denen Vorlesen nicht geht: zwei Kinder, Halsschmerzen, Spätschicht. Dafür lohnt ein Vorrat.

Kostenfrei und verlässlich ist einfach vorlesen! von Stiftung Lesen und Deutsche Bahn Stiftung. Laut Anbieter gibt es dort "jeden Freitag ab 12 Uhr drei neue Geschichten – ab 3, 5 und 7 Jahren", über Webseite und App, darunter auch Gute-Nacht-Geschichten. Welche Hörformate zu welchem Alter passen, steht in unserem Beitrag zu Kinderhörspielen nach Altersstufen.

Und falls Du Deine eigene Vorlesestimme aufnehmen willst: Dafür ist Ohrlaf unter anderem gedacht – eine bildschirmfreie Hörbox für Kinder von etwa 3 bis 9 Jahren, bei der eine aufgelegte Karte die Geschichte startet und die Geschichte danach endet, statt automatisch weiterzulaufen. Ein Ersatz fürs Vorlesen ist das nicht, eher eine Rückfallebene.

Hinweis: Wenn Dein Kind über Wochen deutlich schlechter schläft oder das Zubettgehen für die ganze Familie zur Belastung wird, sprich mit Deiner Kinderärztin oder Deinem Kinderarzt. Bei Fragen zur Reizverarbeitung sind Ergotherapie und Frühförderung etablierte Anlaufstellen.

Fazit

Eine gute Einschlafgeschichte muss nicht originell sein. Sie muss kurz sein, ruhig enden und zuverlässig wiederkommen. Wenn Dein Kind nach drei Wochen immer noch den Igel will, ist das kein Mangel an Abwechslung – sondern ein funktionierendes Ritual.

Häufige Fragen

Wie lang sollte eine Einschlafgeschichte zum Vorlesen sein? Bei jüngeren Kindern reichen ein bis fünf Minuten; die Geschichten hier liegen bei rund eineinhalb bis zwei. Wichtiger als die Länge ist ein abgeschlossenes, ruhiges Ende – ein Cliffhanger hält wach, egal wie kurz er ist. Praxisbeobachtung, keine offizielle Empfehlung.

Wo finde ich Gute-Nacht-Geschichten zum Vorlesen kostenlos? Ein verlässliches kostenfreies Angebot ist einfach vorlesen! von Stiftung Lesen und Deutsche Bahn Stiftung: laut Anbieter freitags ab 12 Uhr drei neue Geschichten ab 3, 5 und 7 Jahren, über Webseite und App.

Welche Geschichte passt zu einem dreijährigen Kind? Eine mit wenigen Figuren, wenig Handlung und klarem Schlussbild – hier also der Igel, der Hund oder "Sieben, die schon schlafen". Geschichten mit Zeitsprüngen oder mehreren Handlungssträngen verlangen Sortierarbeit, und die hält wach.

Quellen

  • Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), kindergesundheit-info.de: Einschlaftipps — wörtliches Zitat zum regelmäßigen Einschlafritual in der letzten halben Stunde sowie zum Vermeiden starker Reize in der letzten Stunde
  • Stiftung Lesen: einfach vorlesen! — Angebot gemeinsam mit der Deutsche Bahn Stiftung, wörtliches Zitat "Jeden Freitag ab 12 Uhr gibt es drei neue Geschichten – ab 3, 5 und 7 Jahren", kostenfrei über Webseite und App

Hinweis zur Faktenlage: Die beiden Zitate in diesem Artikel stammen aus den oben verlinkten Quellen und sind im Text direkt verlinkt. Alle fünf Geschichten sind eigens für diesen Beitrag geschrieben und keine Nacherzählungen bestehender Texte. Die Angaben zu Vorlesedauer, Altersempfehlung und Vorlesetechnik sind ausdrücklich als Praxisbeobachtung gekennzeichnet und nicht als Studienergebnis zu lesen. Dieser Artikel enthält keine Wirk- oder Heilaussagen zu Schlafproblemen. Bei anhaltenden Schlafschwierigkeiten ist die kinderärztliche Praxis die richtige Adresse.

Reading next

Kind baut mit Holzklötzen auf dem Teppich, daneben die bildschirmfreie Hörbox Ohrlaf – ein Alltagsbild zur Frage, wie viel Bildschirmzeit gesund ist.

Leave a comment

This site is protected by hCaptcha and the hCaptcha Privacy Policy and Terms of Service apply.